Von der Idee bis zur Show

Celtic-Rhythm Irish Night 5.5.2012

 

Im Laufe der letzten Jahre hatte sich ein großes Repertoire an Choreografien angesammelt, von denen viele nicht mehr aufgeführt werden konnten, weil die dafür nötige Bühnengröße oftmals nicht ausreichend war. So wurde immer häufiger darüber nachgedacht, ob man nicht selbst eine Veranstaltung für Irlandfans organisieren sollte, bei der wir diese Tänze wieder präsentieren können. Bei einer Mitgliederversammlung beschlossen wir, dies anlässlich unseres 12-jährigen Auftrittsjubiläums am 5. Mai 2012 in die Tat umzusetzen.

 

Es wurden Erkundigungen eingeholt, wo und zu welchen Konditionen geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, welche Band für die Lifemusik in Frage käme und wie eine solche Veranstaltung finanziert werden kann. Die Jugendeinrichtung „Bollwerk 107“ in Moers reservierte uns den geplanten Termin, die uns seit einigen Jahren bekannten Musiker der Band Chevron Flight konnten sich durchaus vorstellen, mit uns zusammen zu arbeiten und die Sparkasse Moers zeigte sich bereit, die Veranstaltung mit einem Zuschuss zu fördern.

 

Dann begann die Planung. Jeder brachte sein Talent ein und es bildeten sich Gruppen, die sich mit besonderen Aufgaben wie Organisation, Erstellung von Druckvorlagen, Bühnendekoration, Musik und Diashow, Trainings- und Auftrittsplanung befassten. Wir überlegten, welche Tänze geeignet wären, probierten alte, lange nicht getanzte Choreografien aus und entwarfen neue. Das ganze Jahr hindurch wurden Schrittkombinationen eingeübt sowie an Rhythmus und Tempo gearbeitet. Dabei stellte sich auch schnell die Besetzung für die einzelnen Tänze heraus, denn einige sind begeisterte Softshoe- und Ceilitänzerinnen, andere tanzen gerne Reels und Hornpipe, während manchen mehr der Jigrhythmus liegt. Dennoch sollten alle Positionen von mehreren Tänzern eingeübt werden, damit im Notfall immer noch in anderer Besetzung getanzt werden kann.

 

Das war auch ein guter Plan, denn das Jahr 2011 war für unsere Tanzgruppe leider ein Jahr der beruflich bedingten Abwesenheiten, Verletzungen und Krankheiten. Oftmals waren an den Trainingstagen nur 5-6 Personen anwesend, so dass die Großchoreografien nicht geprobt werden konnten. Das warf uns leider um viele Wochen zurück. Eine Tänzerin z.B. studiert und lebt in den Niederlanden und konnte nur in den Semesterferien zum Training kommen und für unser "Küken" Nikola hat natürlich auch die Schule Vorrang. Unsere Trainingsleiterin Ulrike musste diese Dinge immer berücksichtigen und das Training entsprechend planen. Das stellte für sie eine große Herausforderung dar.

 

Im Januar 2012 wurde dann der Ablauf des Auftrittprogramms festgelegt. Wir wollten dem Publikum gerne die gesamte Bandbreite des irischen Tanzes näher bringen, wie es ja auch unserer Vereinsphilosophie entspricht und einen Bogen spannen vom ursprünglichen Oldstyle und traditionellen Tänzen über Setdance und Ceilis bis hin zum Showtanz a la Lord of the dance. Einige geplante Großchoreografien mussten aber leider wieder verworfen und durch Tänze aus dem Standardprogramm ersetzt werden. Die Tänze mussten in der Abfolge so geplant werden, dass zwischen Softshoe- und Hardshoetänzen genügend Zeit für die nötigen Schuhwechsel bleibt. Auch war zu gewährleisten, dass keine Person zu viele Tänze hintereinander zu bewältigen hatte.

 

Je näher der Veranstaltungstermin rückte, desto mehr Arbeit kam auf uns zu. Allen, die nicht so oft zum Training kommen können, wurde fleissig Nachhilfe gegeben, damit sie ebenfalls mittanzen konnten. Für zwei Tänzerinnen fehlten noch Kleider. So musste noch Stoff nachbestellt, die Näharbeit in Auftrag gegeben und die bestickte Borte hergestellt werden. Auch die Set-dancer sollten mit einheitlicher Kleidung ausgestattet werden. Nebenbei waren viele Termine wahrzunehmen: Bühnenbesichtigung und Absprachen über die Aufteilung der Bühne für Tänzer und Musiker sowie vertragliche Absprachen mit den Verantwortlichen des Bollwerks, der Sparkasse und den Musikern. Christian Ludwig vom Gaeltacht-Reisebüro wurde kontaktiert, der uns mit einem Artikel in seinem „Irland-Journal“ und guten Ratschlägen ebenfalls unterstützte und eine Verlosung vorschlug, die er mit einer Irlandreise für zwei Personen als Hauptgewinn sponserte. Einige Tänzer besuchten die Musiker für die Auswahl der tanzbaren Musikstücke. Die Musiker spielten diese Stücke in ihrem Proberaum in einem Keller und wir probierten die Schrittkombinationen und Tänze dazu nebenan in der Waschküche aus. Gemeinsam legten wir Tempo und Länge der Musikstücke fest.

 

Dann folgte die harte Phase des Auftritttrainings. Einzelne Tänze oder Schrittkombinationen, die nicht geklappt hatten, wurden wiederholt bis wir an die Grenze unserer Belastbarkeit stießen. Die Setter probten ihre Tänze zu eigenen Trainingszeiten (siehe auch unsere Set-homepage). Diese Blöcke mussten jetzt in den Programmablauf eingefügt werden, den sie noch gar nicht kannten.  Richtig stressig wurde es im April. Erst jetzt konnte die Werbung anlaufen. Die Flyer und Plakate wurden gedruckt, verteilt und der Kartenverkauf organisiert. Bis zwei Wochen vor der Veranstaltung gab es am Programmablauf immer noch etwas umzustellen. Die geplante Aufteilung der Bühne stellte tontechnisch ein Problem dar und musste ebenfalls noch mal geändert werden. Dadurch wurden zusätzliche Bühnenelemente gebraucht sowie ein Geländer. Hier sollten jetzt noch 200 Stühle reinpassen? Wir konnten es uns nicht vorstellen.

 

Dann kam der Endspurt:

3 Tage vor der Veranstaltung fand die Generalprobe auf der Bühne statt. Das hieß Stellprobe für wichtige Positionen. Wir stellten fest: es wird eng. Alle Tänze wurden durchgetanzt, Übergänge und Abgänge ausprobiert, letzte Änderungen vorgenommen, Notizen für Musikeinsätze in den Ablaufplan eingebracht und die Beleuchtung abgesprochen. Die meisten sahen den Veranstaltungsort zum ersten Mal und alles wurde genau inspiziert.

2 Tage vor der Veranstaltung dekorierten wir den Raum. André - der Techniker des Bollwerk - war bereits dabei, die Leuchtkörper anzubringen.

1 Tag vor der Veranstaltung glühte der Draht: Wie viele Karten stehen noch zur Verfügung? Die Werbung in der Zeitung und dem Veranstaltungskalender von Radio KW brachte noch Kartenreservierungen im Stundentakt rein und der Moderator hatte noch Ideen für Zwischenmoderationen, die in den Programmablauf eingefügt werden sollten.

 

5. Mai 2012

Die letzten Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Wir trafen um 11 Uhr ein für eine letzte Stellprobe unter Berücksichtigung der Änderungen. Das erste Problem tauchte auf: Es wurde noch enger auf der Bühne, weil jetzt auch die Monitore und Bodenscheinwerfer installiert waren. Das zweite Problem: Eine Tänzerin war erkältet und bat darum, nicht alles mittanzen zu müssen. Gut, dass wir vorbereitet waren. Es wurde besprochen, was sie selbst noch tanzen kann und wo andere noch etwas übernehmen können. Die Änderung wurde noch mal durchgelaufen, um sich auf die fremde Position einzustellen und der Ablaufplan noch ein letztes Mal korrigiert. Die Bestuhlung stand auch inzwischen (es passten tatsächlich 200 Stühle rein – André grinst nur.) Aber die Bar war noch nicht vorbereitet. André hatte für unsere Bedenken nur ein müdes Lächeln übrig: das wird schon noch pünktlich fertig.

 

Gegen 16 Uhr trafen die Musiker ein und bauten ihre Instrumente auf. Die Tänzer für die Lifemusiktänze trafen um 17 Uhr ein. Die Techniker des Bollwerk, insbesondere André,  waren jetzt multitaskingmäßig beschäftigt. Gleichzeitig zu den einzelnen Musikinstrumenten wurden Licht und Nebelmaschine sowie der Beamer für die Diashow eingestellt. Es dauerte lange, bis André mit allem zufrieden war - schließlich soll alles perfekt sein. Die Bar war immer noch nicht hergerichtet und wir wurden jetzt doch etwas nervös. Dann bekamen die Tänzer die Gelegenheit, ihre Tänze erstmals zur Lifemusik zu proben. Einmal durchtanzen musste jetzt allerdings reichen. Es war schon spät. Währenddessen war auch die Catering-Crew eingetroffen, reinigte und bestückte die Bar.

 

Um 18:30 Uhr trafen auch die anderen Tänzer ein. Der Garderobenraum wurde in Beschlag genommen und alle Utensilien dort bereitgelegt, wo sie später gebraucht wurden. Die Helfer wurden entsprechend instruiert.

 

Es ist 19 Uhr und die ersten Zuschauer kamen bereits herein, mussten aber leider wieder den Raum verlassen, weil die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen waren. Die Diashow wurde noch getestet. Ok – alles klappte reibungslos. Jetzt gab es nichts mehr zu tun.

 

Es ist 19:20 Uhr. Andrea, unsere Vereinsvorsitzende, öffnete die Tür zum Vorraum und erstarrte: Im Vorraum standen erwartungsvolle Besucher dicht gedrängt. Also wurde der Einlass vorverlegt.

 

20:00 Uhr – die Show beginnt. Es lief wie am Schnürchen und alle waren gut gelaunt. Es machte richtig Spaß, vor dem begeisterten Publikum zu tanzen. Uns wurde unter dem Scheinwerferlicht in den grünen Samtkleidern ordentlich warm. Der Ablauf der Tänze war richtig geplant, die Schuhwechsel klappten und alle standen rechtzeitig für den nächsten Einsatz wieder bereit. Als der erste, hauptsächlich traditionell geprägte Teil unseres Programms beendet war, konnten wir es kaum glauben. Die Zeit verging wie im Flug.

 

In der Pause mischten wir uns unter die Zuschauer, suchten nach bekannten Gesichtern und bekamen die ersten positiven Rückmeldungen. Der zweite Teil des Programms zog sich durch die Verlosungen von zwei Jahresabos des „Irland-Journal“ und des Hauptgewinns leider etwas in die Länge. Aber die Zuschauer hielten aus, weil jetzt die Showtänze gezeigt wurden, die wir überwiegend zur Musik von Riverdance und Lord of the dance tanzten. Das Publikum war begeistert. Viele Zuschauer waren inzwischen aufgestanden und hatten sich an der Seite aufgestellt, damit sie unsere Füße besser sehen konnten. Einige Zuschauer tanzten sogar am Rande, während die Musiker spielten. Auch die Musiker bekamen viel Lob. Den meisten Zuschauern gefielen sowohl die ruhigen Balladen als auch die fröhlichen Melodien.

 

Am Ende der Veranstaltung wurden wir von sehr vielen Zuschauern angesprochen, die uns für die gelungene Veranstaltung lobten und uns gratulierten. Einige sagten sogar, dass sie so etwas von Hobbytänzern nicht erwartet hätten. Das machte uns sehr glücklich und war für uns die schönste Belohnung für die Strapazen der letzten Monate und eine Bestätigung für ein gelungenes Konzept.